Ein Tag im Tierheim Bettikum

Erst befreit und dann im Stich gelassen

Tierheime sind nicht nur Aufnahmestellen für gefundene oder nicht mehr gewollte Haustiere. Sie sind zentraler Anlaufpunkt, wenn Bürgerinnen und Bürger Fragen rund ums Tier haben und hierbei nicht nur zu Hund, Katze und Co. Der Wunsch vieler Menschen ein Haustier zu besitzen hat dazu geführt, dass heute mehr als 8 Millionen Katzen und 7 Millionen Hunde in deutschen Haushalten leben. Dies führt zwangsläufig zu einer höheren Belastung der Tierheime, nicht nur im Tierheim Neuss-Bettikum. Einen Tag beschreiben wir unsere User beispielhaft .

Gleich am frühen Morgen des 12. Dezember, einem Tag wie jeder andere, werden zwei Kaninchen im Tierheim abgegeben. Eigentlich ist das Heim noch geschlossen, doch die Klingel wird so lange betätigt, bis ein Tierpfleger sie hört und seine Arbeit bei der Tierpflege unterbricht. Die Überbringer am Tor erklären, dass sie die Tiere aus einem Haushalt „raus geholt“ hätten, in dem die Kaninchen vernachlässigt worden seien. Allerdings habe man feststellen müssen, dass die Pflege doch umfangreicher sei und man diese nicht gewährleisten könne. Konsequenz: Die Tiere müssen ins Tierheim.

Kurze Zeit darauf, wurde die Arbeit der Pflegerinnen erneut durch die Klingel unterbrochen. Ein Mann erklärte, dass er den Welpen am unteren Ende der Leine gefunden habe. Tierpfleger erleben so manches und auch, dass sie immer wieder Märchen erzählt bekommen. Das Verhalten des „Finders“ kam zu merkwürdig vor und intensives Nachfragen ergab: Der Herr war der Besitzer und wollte den vier Monate jungen Hund einfach los werden. „Ein Wegwerftier“, wie die Tierpflegerinnen enttäuscht feststellten.

Mit den Öffnungszeiten begann auch die Tiervermittlung und zwei Kaninchen konnten jeweils als Zweittier zu einem einsamen Artgenossen vermittelt werden. Die Hoffnung, dass es den Tieren in Zukunft gut geht, ist groß.

 

Neue Wohnung? Aber ohne die Katze!

Tierheime sind auch Ansprechpartner für Behörden. Diese suchen in unterschiedlichsten Fällen Rat und Hilfe beim Tierschutzverein. Der Anruf einer Betreuerin, die Vormund einer alkoholkranken Hundebesitzerin ist, kündigt die nächste „Einlieferung“ ins Tierheim an. Die Alkoholikerin wurde in ein Krankenhaus eingewiesen, aber die 10 Jahre alte engl. Bulldogge war noch bei der ihr zu Hause. Da Betreuer nicht automatisch über die nötigen Kenntnisse verfügen um mit Haustieren aller Art umzugehen und auch die tiergerechten Mittel für den Transport meist fehlen, helfen auch hier die Mitarbeiter des Tierheimes. Zwei Pflegerinnen machen sich umgehend auf den Hund abzuholen. Denn er kann nicht die ganze Nacht alleine und unversorgt bleiben. So kommt „britischer Adel“ an diesem Tag ins Tierheim.

Auch Katzen trifft das Schicksal. Ein neun Monate junger Kater sitzt in einer Transportbox. Sein Besitzer erklärt im Büro des Heimes, dass er umziehen müsse und der neue Vermieter keine Tierhaltung erlaube. Wieder eine Katze mehr und die Frage ist erlaubt, ob es denn keine Wohnung hätte sein können, in denen der Vermieter ein Herz für Tiere hat.

Der Feierabend naht im Tierheim Bettikum. Fünf Tiere mussten aufgenommen werden aber nur zwei wurden vermittelt. Ein schlechtes Ergebnis, das steht fest. Zum Abschluss erscheint eine Mutter mit dem sechs Monate alten Kaninchen ihres Kindes. Es muss leider abgeben werden, da das Mädchen allergisch auf den Mümmelmann reagiere. Bei der Anschaffung hatte sie leider nicht ans Tierheim gedacht und das Kaninchen im Handel erworben. Doch bei der Frage der Entledigung des „Übels“ ist das Heim die erste Adresse, die in den Sinn kommt.

Das Tierheim Bettikum legt sich schlafen, wie viele Heime anderenorts. Was der Tag morgen bringt? Wer weiß es?

Fotos: Deutscher Tierschutzverlag

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